„Strom kostet heute minus 5 Cent“ klingt so, als würdest du fürs Stromverbrauchen bezahlt. Bei einem dynamischen Stromtarif ist das in der Regel zu einfach gedacht. Negative Börsenpreise betreffen nur einen Teil deines Endkundenpreises.
Warum können Strompreise negativ werden?

An der Strombörse entsteht der Preis aus Angebot und Nachfrage. Wenn zeitweise sehr viel Strom angeboten und gleichzeitig wenig nachgefragt wird, kann der kurzfristige Börsenpreis unter null fallen.
Das passiert beispielsweise in Stunden mit hoher Wind- oder Solarstromerzeugung und relativ niedrigem Verbrauch.
Bekomme ich bei negativen Preisen Geld fürs Stromverbrauchen?

Nicht automatisch. Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor Werbung, die negative Börsenpreise wie einen negativen Endkundenpreis darstellt.
Zum Strompreis gehören neben dem dynamischen Börsenanteil weitere Bestandteile wie Netzentgelte, Steuern, Umlagen und gegebenenfalls Anbieteraufschläge. Diese verschwinden nicht automatisch, nur weil der Börsenpreis negativ ist.
Welcher Teil des Tarifs ist überhaupt dynamisch?
Bei vielen dynamischen Tarifen ist im Wesentlichen der Energie- beziehungsweise Börsenpreis variabel. Andere Preisbestandteile bleiben fest oder werden nach gesetzlichen und vertraglichen Regeln berechnet.
Deshalb kann der Gesamtarbeitspreis trotz negativem Börsenpreis weiterhin über 0 Cent/kWh liegen.
Ein vereinfachtes Beispiel
Angenommen, der Börsenanteil liegt für eine Viertelstunde bei −4 Cent/kWh. Gleichzeitig fallen fixe Preisbestandteile und Anbieteraufschläge von zusammen beispielsweise 18 Cent/kWh an. Dann läge der Endpreis vereinfacht noch bei rund 14 Cent/kWh.
Das Beispiel dient nur zur Erklärung des Prinzips. Die tatsächlichen Preisbestandteile hängen von Tarif, Netzgebiet und Abgaben ab.
Wann können negative Börsenpreise trotzdem attraktiv sein?

Wenn du größere Strommengen flexibel verschieben kannst, sind solche Stunden oft günstig. Typische Verbraucher sind:
- Elektroauto
- Wärmepumpe
- Batteriespeicher
- Warmwasserbereitung
- steuerbare Haushaltsgeräte
Batteriespeicher bei negativen Preisen laden?
Das kann technisch interessant sein, wenn der Speicher Netzladen unterstützt. Wirtschaftlich musst du aber Lade- und Entladeverluste berücksichtigen. Ein kleiner Preisvorteil kann durch Speicherverluste vollständig aufgezehrt werden.
Mehr dazu: Speicher mit dynamischem Stromtarif.
Was passiert, wenn gleichzeitig viel Solarstrom vorhanden ist?

Negative Börsenpreise treten häufig in Zeiten hoher erneuerbarer Erzeugung auf. Genau dann produziert dein Balkonkraftwerk möglicherweise selbst viel Strom. Dadurch sinkt dein Netzbezug – und damit auch die Strommenge, die du zum günstigen Tarif kaufen kannst.
Eine Batterie oder ein anderes flexibles Gerät kann diesen Effekt teilweise nutzen, sofern noch Kapazität vorhanden ist.
Smart Meter ist Voraussetzung
Für einen echten dynamischen Stromtarif brauchst du ein intelligentes Messsystem. Es erfasst den Verbrauch zeitaufgelöst, sodass dein Lieferant den passenden Preis den jeweiligen Verbrauchsintervallen zuordnen kann.
Wie erfahre ich, wann der Strom günstig ist?
Viele Anbieter stellen die Preise für den nächsten Tag in ihrer App oder im Kundenportal bereit. Die Bundesnetzagentur bietet über SMARD ebenfalls Informationen zu Börsenpreisen und modellierten dynamischen Haushaltsstrompreisen.
Warum der günstigste Börsenpreis nicht der beste Tarifvergleich ist
Ein Tarif kann einen sehr günstigen Börsenpreis weiterreichen und gleichzeitig einen hohen Grundpreis oder hohen Anbieteraufschlag verlangen. Deshalb solltest du immer die gesamte Kostenstruktur vergleichen.
Was bedeutet ein negativer Preis für die Jahresrechnung?
Wenige extrem günstige Stunden entscheiden selten allein über die Jahreskosten. Entscheidend ist, wie viel Strom du tatsächlich in diese Zeitfenster verschieben kannst und wie hoch die restlichen Tarifbestandteile sind.
Risiko: Preise können auch stark steigen
Dynamische Tarife geben nicht nur niedrige Preise weiter. Steigt der Börsenpreis, steigt auch dein Arbeitspreis. Die Verbraucherzentrale betont deshalb, dass Verbraucher das Preisrisiko tragen.
Praktische Strategie
- nicht auf einzelne Negativpreis-Stunden fixieren
- Gesamtarbeitspreis statt Börsenpreis betrachten
- flexible Verbraucher automatisieren
- hohen Verbrauch in teuren Abendstunden vermeiden
- Grundpreis und Anbieteraufschlag mitrechnen
- Speicherverluste berücksichtigen
Fazit
Negative Börsenpreise können einen dynamischen Stromtarif zeitweise sehr günstig machen, bedeuten aber nicht automatisch kostenlosen oder negativ bepreisten Haushaltsstrom. Entscheidend ist der komplette Endkundenpreis. Wer große flexible Verbraucher besitzt und sie automatisiert steuern kann, hat deutlich mehr Nutzen als ein Haushalt mit kaum verschiebbarem Verbrauch.
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