Stand: 7. Oktober 2026. Seit April 2025 können Betreiber bestimmter steuerbarer Verbrauchseinrichtungen zusätzlich zur pauschalen §-14a-Netzentgeltreduzierung ein zeitvariables Netzentgelt nach Modul 3 wählen. Dabei kostet die Netznutzung je nach Tageszeit unterschiedlich viel.
Was ist Modul 3?
Modul 3 ist ein Anreizsystem für Verbraucher mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wallbox oder Wärmepumpe. Der Netzbetreiber legt Zeitfenster fest, in denen das Netzentgelt günstiger, normal oder teurer ist.
Ziel ist, flexible Verbräuche aus stark belasteten Netzzeiten in Zeiten mit niedrigerer lokaler Netzauslastung zu verschieben.
Welche drei Preisstufen gibt es?

Die Bundesnetzagentur sieht drei Tarifstufen vor:
- NT – Niedriglasttarif: unterhalb des Standardtarifs
- ST – Standardlasttarif: regulärer Arbeitspreis des lokalen Netzentgelts
- HT – Hochlasttarif: oberhalb des Standardtarifs
Wer legt die Uhrzeiten fest?
Dein örtlicher Verteilnetzbetreiber legt die Zeitfenster kalenderjährlich für sein Netzgebiet fest. Sie spiegeln die lokale Netzsituation wider und können deshalb von Region zu Region unterschiedlich sein.
Die konkreten Zeitfenster und Preisstufen solltest du direkt im Preisblatt deines Netzbetreibers prüfen.
Seit wann gibt es Modul 3?
Die Bundesnetzagentur hat Modul 3 zum 1. April 2025 eingeführt. Netzbetreiber müssen diese Option für berechtigte Kunden bereitstellen.
Wer kann Modul 3 wählen?
Voraussetzung ist eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG. Dazu gehören beispielsweise bestimmte neue Wallboxen, Wärmepumpen und netzladende Stromspeicher.
Modul 3 wird zusätzlich zu Modul 1 gewählt. Es ist nicht mit Modul 2 kombinierbar.
Brauche ich ein Smart Meter?
Ja. Ein intelligentes Messsystem ist für Modul 3 technische Voraussetzung. Nur damit lässt sich der Netzbezug den unterschiedlichen Zeitfenstern korrekt zuordnen.
Gilt das variable Netzentgelt nur für die Wallbox?
Das hängt von der Messkonstellation ab. Die Bundesnetzagentur erklärt, dass Modul 3 an die Marktlokation gebunden ist. Wird Haushaltsverbrauch und Wallbox über dieselbe Marktlokation abgerechnet, wirkt das zeitvariable Netzentgelt auf den gesamten dort gemessenen Netzbezug.
Wie unterscheidet sich Modul 3 von einem dynamischen Stromtarif?

| Dynamischer Stromtarif | Zeitvariables Netzentgelt Modul 3 |
|---|---|
| variabler Energiepreis | variables Netzentgelt |
| orientiert sich am Strommarkt | orientiert sich an lokaler Netzauslastung |
| Preis kann sich häufig ändern | vorgegebene regionale Zeitfenster |
| Vertrag mit Stromlieferant | Netzentgelt des Netzbetreibers |
Beide Preisbestandteile können gleichzeitig wirken.
Kann günstiger Börsenstrom gleichzeitig ein teures Netzentgelt haben?
Ja. Strommarkt und lokales Verteilnetz folgen unterschiedlichen Signalen. Eine Stunde mit niedrigem Börsenpreis kann theoretisch in einem regionalen Hochlast-Netzfenster liegen – oder umgekehrt.
Deshalb wird automatisches Energiemanagement zunehmend wichtiger.
Beispiel Wallbox

Angenommen, dein Netzbetreiber bietet nachts ein günstiges NT-Fenster an. Wenn dein Auto erst um 2 Uhr statt direkt um 18 Uhr lädt, kannst du je nach Tarif sowohl ein günstigeres Netzentgelt als auch möglicherweise einen günstigen dynamischen Energiepreis nutzen.
Ob beide Vorteile gleichzeitig auftreten, hängt von den konkreten Preisen ab.
Beispiel Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe kann thermische Speicherfähigkeit des Gebäudes und des Warmwassers nutzen. Ein HEMS kann deshalb bei geeigneter Anlage versuchen, einen Teil des Verbrauchs in günstige Zeitfenster zu verschieben, ohne den Wohnkomfort wesentlich zu verändern.
Warum HEMS bei Modul 3 interessant ist
Wer mehrere flexible Verbraucher besitzt, möchte nicht jeden Tag manuell Lade- und Heizzeiten anpassen. Ein Home Energy Management System kann Zeitfenster, dynamische Energiepreise, PV-Erzeugung und Speicherzustand gemeinsam berücksichtigen.
Mehr dazu: HEMS 2026.
Wie finde ich meine Modul-3-Zeiten?
Der zuständige Netzbetreiber veröffentlicht die Tarifstufen und Zeitfenster für sein Netzgebiet. Sie sollten in den Preisblättern beziehungsweise Informationen zum §-14a-Netzentgelt zu finden sein.
Ist Modul 3 automatisch günstiger?
Nein. Wer viel Strom im Hochlastfenster verbraucht und kaum Verbrauch verschieben kann, kann einen Teil des Vorteils wieder verlieren. Die Option ist daher besonders für Haushalte interessant, die Wallbox, Speicher oder Wärmepumpe zeitlich flexibel steuern können.
Modul 1 oder Modul 2?
Modul 3 ist nur als Ergänzung zu Modul 1 möglich. Wer stattdessen Modul 2 mit einem separaten Zähler und auf 40 Prozent reduziertem Netzentgelt-Arbeitspreis nutzt, kann Modul 3 nach aktuellem Regelwerk nicht gleichzeitig wählen.
Balkonkraftwerk und Modul 3
Ein Balkonkraftwerk reduziert den Netzbezug tagsüber. Das kann gut oder schlecht mit den regionalen Modul-3-Zeitfenstern zusammenpassen. Ist tagsüber ein günstiges Netzfenster, nutzt du wegen eigener Solarproduktion möglicherweise weniger Netzstrom und damit weniger von diesem Vorteil.
Andererseits kann ein Batteriespeicher oder E-Auto zusätzliche Flexibilität schaffen.
Checkliste vor der Wahl
- §-14a-Anlage vorhanden?
- intelligentes Messsystem vorhanden?
- Modul 1 aktiv oder auswählbar?
- Zeitfenster deines Netzbetreibers geprüft?
- Verbrauch flexibel verschiebbar?
- dynamischen Stromtarif separat betrachtet?
- HEMS oder Wallbox-Steuerung verfügbar?
Fazit
Modul 3 macht nicht den Strom selbst dynamisch, sondern einen Teil der Netzkosten. Wer Wallbox, Wärmepumpe oder Speicher flexibel steuern kann, erhält damit ein zusätzliches Preissignal neben dem eigentlichen Stromtarif. Am interessantesten wird das Modell, wenn Smart Meter und Energiemanagement beide Ebenen – Energiepreis und Netzentgelt – gemeinsam optimieren können.
Weiterlesen: § 14a EnWG 2026 · Dynamischen Stromtarif vergleichen · Smart-Meter-Gateway
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